Am 19. Mai 2026 waren das und die Gesellschaft für Informatik (GI) mit einem gemeinsamen vertreten. Unter dem Titel „Never gonna give you up? Open-Source-Infrastruktur für Hochschulen retten“ sprachen Christian Friedrich, Sprecher und strategischer Berater des OSDN, und Niklas Sax, Projektleiter der , über eine Infrastruktur, die im Hochschulalltag allgegenwärtig ist und zuverlässig funktioniert – solange jemand sie pflegt.
Eine stille Selbstverständlichkeit
98 % der Hochschulen im DACH-Raum nutzen ein Open-Source Learning Management System wie Moodle, ILIAS oder Stud.IP (Belz & Mayer 2024, GI). Dazu kommen Plattformen wie OpenCast für Videos, OERSI für offene Bildungsressourcen oder auch BigBlueButton für Videokonferenzen. Diese Software trägt die täglichen Abläufe in Studium und Lehre: Kurse, Prüfungen, Materialien, Kommunikation.
Hochschulen sind damit längst aktive Akteurinnen im Open-Source-Ökosystem. Im Talk wurde deutlich: Die Beteiligung an dem Ökosystem Open Source läuft strategisch unter Wert. Investiert wird überwiegend in einzelne Plugins und lokale Anpassungen, kaum in die Pflege des gemeinsamen Kerns, von dem alle abhängen.
Wenn Infrastruktur ausfällt
Was passiert, wenn grundlegende Infrastruktur nicht gepflegt wird, zeigt sich auch in der Kohlenstoffwelt – etwa am Sanierungsstau, der die TU Berlin im Mai 2026 zur Schließung ihres Hauptgebäudes zwang. Das Bild überträgt sich: Auch digitale Infrastruktur ist keine einmalige Anschaffung, sondern eine Daueraufgabe. Bleibt die Pflege aus, bleiben damit auch Fortschritte bei Sicherheit, Barrierefreiheit und Usability aus.
Was das OSDN tut
Hier setzt das OSDN an, ein Projekt der Hochschule.digital Niedersachsen. Das OSDN stellt Ressourcen für Problemlösungen im Kern der Software bereit, löst Probleme, die einzelne Hochschulen allein nicht bewältigen könnten, und arbeitet in Abstimmung mit den Communities entlang der Produkt-Roadmaps.
Der Leitgedanke: Kooperative Software-Entwicklung ist effizienter als viele parallele Einzelmaßnahmen. Sicherheit, Barrierefreiheit und Benutzer*innenfreundlichkeit lassen sich nur im Verbund und im Kern der Produkte sinnvoll weiterentwickeln.
Die offene Frage: Was kommt nach 2028?
Das OSDN zeigt erste Erfolge – doch das Projekt endet 2028, während die Pflege von Infrastruktur eine Daueraufgabe bleibt. Wie sich die Aufgaben des OSDN über die Förderlaufzeit hinaus verstetigen lassen, ist deshalb eine der zentralen Fragen, an denen gerade gearbeitet wird. Wer diese Zukunft mitgestalten will – Communities, Hochschulen und weitere Akteur*innen – kann sich direkt bei den Ansprechpersonen zum Projekt melden: osdn@zqs.uni-hannover.de
Die Datenbasis: GI-Studie zur digitalen Resilienz
Damit diese Debatte auf Evidenz statt auf Annahmen ruht, untersucht die erstmals systematisch das Software-Ökosystem für Studium und Lehre an deutschen öffentlichen Hochschulen. Die Leitfragen: Wie digital souverän sind deutsche Hochschulen? Und wissen sie eigentlich, was sie verlieren, wenn die Open-Source-Software nicht gepflegt wird?
Die Studie betrachtet digitale Souveränität entlang von sechs Dimensionen: Datensicherheit, Datenschutz, persönliche Datensouveränität, Datenhoheit, Rechtssicherheit und Unabhängigkeit von proprietären Anbieter*innen. Sie erfasst Daten, untersucht Probleme im Detail und entwickelt Hochschulprofile nach Art, Größe und Bundesland, um zu zeigen, welcher Weg in Richtung digitaler Resilienz welche Kosten mit sich bringt. Gefördert vom BMFTR, läuft die Studie bis November 2026.
Weitermachen – gemeinsam
Die Frage „Never gonna give you up?“ ist durchaus ernst gemeint – als Einladung, gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Antwort „Ja“ lautet. Anknüpfungspunkte bietet die Konferenz (3.–5. März 2027, Leibniz Universität Hannover), die Leitkonferenz für Open Source Software in der Hochschullehre.
Links & Referenzen
-
OSDN:
-
Open Source Multitudes:
-
GI-Studie:
-
Belz, A.-M. & Mayer, A. (2024): Sicherheit von Lernmanagement-Systemen in tertiären Bildungseinrichtungen in der DACH-Region. GI Sicherheit 2024.

